Große Resonanz fand am Sonntag, 26.4 erneut die Veranstaltungsreihe „Kirche & Wirtshaus“ des Landkreises Dingolfing-Landau. Die Katholische Erwachsenenbildung hatte diesmal nach Prunn eingeladen, wo zahlreiche Interessierte die Filialkirche St. Martin füllten.

Durch den ersten Teil führten Pfarrer Pater Josef Jacek und Kirchenpflegerin Erika Müller, die beide mit viel Engagement und Fachwissen durch die Geschichte des Gotteshauses begleiteten. Die kleine Kirche, deren Ursprünge bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen, erhielt ihren Turm erst im 15. Jahrhundert. Später sorgten barocke Fenster für mehr Licht im Innenraum, der heute mit seiner Rokokoausstattung beeindruckt.

Pfarrer Jacek, seit 1999 im Pfarrverband tätig, erläuterte anschaulich die Besonderheiten der Innenausstattung. Im Mittelpunkt steht der viersäulige Hochaltar mit dem heiligen Martin, flankiert von Bischof Benno, dem heiligen Ambrosius sowie der Muttergottes mit Kind. Auch die beiden Seitenaltäre, links mit dem heiligen Antonius, rechts mit der heiligen Helena, wurden näher vorgestellt. Ein besonderer Blickfang ist das Deckengemälde, das die „Fällung der Donaueiche bei Geismar“ zeigt.

Auch die drei Glocken der Kirche wurden thematisiert: Die größte, „Maria Hilf“, stammt aus dem 15. Jahrhundert und wiegt rund 230 Kilogramm, ergänzt durch die kleineren Glocken „Hl. Martin“ und „Heiliges Kreuz“.

Erika Müller berichtete im Anschluss ausführlich über die zahlreichen Renovierungsmaßnahmen der vergangenen Jahrzehnte. So wurde die Kirche 1988/89 umfassend renoviert und erhielt 1994 eine neue Orgel. Es folgten unter anderem die Sanierung der Friedhofsmauer und die Neugestaltung des Eingangs im Jahr 2014 sowie die Erneuerung des Leichenhauses 2015. Besonders bemerkenswert: 2016 wurde das Gotteshaus in Eigenleistung der Dorfgemeinschaft gestrichen, in rund 200 Arbeitsstunden und mit insgesamt sieben Anstrichen.

Eine Besonderheit stellt auch das seit 1999 geführte Totenbuch dar, in dem Verstorbene seit 1945 verzeichnet sind. Viele Besucher nutzen den Nebeneingang, um darin nachzusehen, wessen Todestag aktuell ist. Zudem sind in der Kirche seit 1972 auch Taufen möglich.

Für Aufsehen sorgte 2015 ein Diebstahl: Die Holzfigur des heiligen Sebastian wurde entwendet, tauchte jedoch ein Jahr später wieder auf. Seitdem sind alle Figuren gesichert und stehen dennoch an ihrem angestammten Platz.

Musikalisch abgerundet wurde der erste Teil von Eva-Maria Müller, die an der Orgel „Großer Gott, wir loben dich“ erklingen ließ.

Im Anschluss führte die Veranstaltung nach Eichendorf in den historischen Postsaal. Bürgermeister Josef Beham zeichnete dort die bewegte Geschichte des Gebäudes nach. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1835 wurde 1842 an gleicher Stelle eine Briefexpedition errichtet. Der Postdienst wechselte mehrfach den Betreiber, eng verbunden mit der jeweiligen Brauerei- und Wirtshausgeschichte des Anwesens. 1922 wurde die Brauerei schließlich aufgegeben.

Beham gab zudem einen Überblick über die Gastwirte seit 1933 und ging auf die jüngere Entwicklung ein: 2011 erwarb der Markt Eichendorf den Postsaal in stark sanierungsbedürftigem Zustand. Ziel war es, Leerstand im Ortskern zu vermeiden und einen modernen Veranstaltungsort zu schaffen. Nach umfassenden Umbau- und Renovierungsarbeiten von 2015 bis 2017 präsentiert sich der Saal heute als vielseitig nutzbare Begegnungsstätte, ohne dabei seinen historischen Charme verloren zu haben. Auch der markante Torbogen zur Marktplatzseite blieb erhalten.

Die gelungene Kombination aus Kirchenführung und Wirtshausgeschichte kam bei den Teilnehmern bestens an. Die Reihe wird am Sonntag, 28. Juni, fortgesetzt, dann mit einer Führung in „Mutter Gottes im Moos“ in Pilsting und anschließendem Besuch im Marktsaal.

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