Wer in Eichenberg beim Flurbereinigungsdenkmal vorbeikommt, kann seit dieser Woche nicht nur die Landschaft genießen, sondern auch einiges über die heimische Landwirtschaft erfahren. Dort stehen mehrere anschaulich gestaltete Infotafeln, die zeigen, was auf den Feldern rund um Eichendorf wächst und wie viel Arbeit hinter unseren Lebensmitteln steckt.
Ob Weizen, Zuckerrübe, Raps, Zwischenfrüchte oder Blühstreifen, zu den verschiedenen Pflanzen gibt es jeweils eine Tafel mit Foto und interessanten Informationen. Dabei sind die Tafeln längst nicht nur für Kinder und Jugendliche gedacht. Auch Erwachsene können hier noch einiges dazulernen. Denn wussten Sie zum Beispiel, wie viele Semmeln aus einem Quadratmeter Weizen entstehen? Rund 15 Stück. Oder wie viel Zucker aus einem Quadratmeter Zuckerrüben gewonnen werden kann?
Die Idee zu den Tafeln hatte Hans Einhellig. Er ließ sie auf eigene Kosten anfertigen und kümmerte sich gemeinsam mit Anton Pammer um die Umsetzung. Das fachliche Wissen der beiden ergänzte sich dabei bestens. Unterstützt wurden sie beim Aufstellen der Tafeln von Tariq und Zahib, zwei afghanischen Flüchtlingen, die in Eichenberg ein Zuhause gefunden haben.
Am Donnerstagmorgen machten sich Bürgermeister Josef Beham und Friedhelm Dickow, Kreisvorsitzender BBV-Dingolfing, gemeinsam mit Gemüsebauer Alexander Stockner selbst ein Bild von der neuen Informationseinrichtung. Schnell entwickelte sich dabei eine angeregte Unterhaltung über die Landwirtschaft und ihre Veränderungen.
Eine Zahl auf den Tafeln macht besonders deutlich, wie sehr sich die Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt hat: Ernährte ein Landwirt im Jahr 1949 noch etwa zehn Menschen, waren es 2025 bereits 158 Menschen. Auch Alexander Stockner ist auf einer der Tafeln abgebildet. Er führt seinen Demeterhof in Enzerweis mittlerweile in zweiter Generation und begrüßt die Aktion von Hans Einhellig ausdrücklich.
„Die Verbraucher sehen dadurch auch einmal, wie viel Arbeit hinter den einzelnen Lebensmitteln steckt“, findet Stockner. Ob Kartoffeln, Zuckerrüben, Braugerste oder Gemüse, nichts von dem, was auf unseren Feldern wächst, sei selbstverständlich. Viel Arbeit und Erfahrung seien notwendig, bis die Ernte eingefahren werden könne. Und wenn das Wetter nicht mitspiele, könnten bereits kleinere Ernteausfälle zu erheblichen finanziellen Einbußen führen.
Auch Friedhelm Dickow sieht die Entwicklung mit Sorge. Ihn beschäftigt insbesondere, dass immer mehr Landwirte ihre Betriebe ins benachbarte Ausland verlagern. Für kleinere Nebenerwerbsbetriebe werde es zunehmend schwieriger, wirtschaftlich zu arbeiten. Gleichzeitig würden die heimischen Betriebe immer größer. Ein alter Spruch beschreibe diese Entwicklung treffend: „Wachse oder weiche.“
Umso wichtiger sei es, den Menschen wieder näherzubringen, was Landwirtschaft leistet und welchen Aufwand die Erzeugung unserer Lebensmittel mit sich bringt. Genau hier setzt das Projekt von Einhellig und Pammer an. Die Tafeln machen die Landwirtschaft greifbar und laden dazu ein, beim nächsten Spaziergang einmal genauer hinzusehen.
Auf der Weizentafel etwa wird die Pflanze als „Kraftpaket vom Acker“ vorgestellt. Weizen ist die wichtigste Brotgetreideart in Deutschland. Mehr als 70 Prozent der rund 300 Brotsorten werden mit Weizenmehl hergestellt. Er sorgt für den typischen Geschmack, macht Backwaren locker und knusprig und liefert wertvolle Inhaltsstoffe.
Bürgermeister Josef Beham bedankte sich bei Hans Einhellig für sein Engagement. Er habe sich schon immer darum bemüht, Kinder und Jugendliche an die Hand zu nehmen, als Lehrer an der Schule in Eichendorf ebenso wie als Jagdausbilder. Auch mit den neuen Infotafeln bringe er junge Menschen mit Natur und Landwirtschaft in Verbindung.
Passend dazu gibt es seit einiger Zeit auch eine weitere Möglichkeit, regionale Landwirtschaft direkt zu erleben: Auf dem Demeterhof von Alexander Stockner in Enzerweis steht seit Kurzem ein Gemüseautomat. Dort können frische Erzeugnisse vom Hof selbstständig gekauft und mit nach Hause genommen werden.
Vielleicht lohnt sich beim nächsten Spaziergang in Eichenberg also ein kurzer Halt am Flurbereinigungsdenkmal. Denn wer die Tafeln aufmerksam liest, sieht die heimische Landwirtschaft anschließend mit etwas anderen Augen und weiß vielleicht auch, wie viele Zucker aus einem einzigen Quadratmeter Zuckerrüben hergestellt werden kann.






