Ein voller Postsaal, ein bestens aufgelegtes Publikum und ein ebenso humorvoller wie eindringlicher Appell an die Eigenverantwortung: Das Präventionskabarett „Ned mit mir“ erwies sich am Sonntag, 22.2 als voller Erfolg. Gemeinsam hatten der Landkreis Dingolfing-Landau, die Polizeiinspektionen Dingolfing und Landau sowie Kabarettist Tom Bauer zu der Veranstaltung eingeladen und zahlreiche Bürgerinnen und Bürger waren gekommen. Unter den Gästen befanden sich auch viele Markträte sowie Eichendorfs Ehrenbürger Max Wagner.
Landrat Werner Bumeder eröffnete den Abend und begrüßte die Besucher herzlich. Er betonte die Bedeutung von Prävention und Aufklärung, gerade angesichts immer professioneller agierender Betrügerbanden. Auch Bürgermeister Josef Beham unterstrich, dass die Täter „top organisiert“ seien, eine Entwicklung, die viele Bürgerinnen und Bürger verunsichere. Umso wichtiger sei es, Wissen zu vermitteln. „Und was man mit Humor lernt, bleibt oft länger hängen“, so Beham.
Der Dienststellenleiter der Polizei Landau, Stephan Lehner, nannte eindrucksvolle Zahlen: Im vergangenen Jahr wurden im Altlandkreis rund 300 Betrugsstraftaten gemeldet, allein 30 davon im Gemeindebereich Eichendorf. Die Dunkelziffer liege vermutlich deutlich höher, da sich viele Betroffene aus Scham nicht an die Polizei wenden. Sein Wunsch: „Vielleicht trägt dieser Abend dazu bei, dass unsere Arbeit in diesem Bereich weniger wird, damit wir uns wieder verstärkt anderen Aufgaben widmen können.“
Was folgte, war eine ebenso unterhaltsame wie lehrreiche Mischung aus Kabarett, Musik und konkreten Verhaltenstipps. Gleich zu Beginn spielten Tom Bauer und Rudi Schmuderer einen Telefonbetrug nach: Ein vermeintlicher Polizist berichtet von einem Einbruch in der Nachbarschaft, bei dem ein Zettel mit der Adresse des nächsten Opfers gefunden worden sei. Ein Kollege werde vorbeikommen, um Wertgegenstände „in Sicherheit zu bringen“.
Das turbulente Gespräch steigerte sich ins Absurde am Ende wollte der völlig verunsicherte Angerufene sogar Autoschlüssel samt Fahrzeugbrief und -schein übergeben.
Doch gleich im Anschluss folgte die ernste Aufklärung: Die Polizei würde niemals telefonisch Wertgegenstände anfordern oder abholen. Auch wenn im Display scheinbar die Nummer der örtlichen Polizeidienststelle erscheint, diese kann technisch manipuliert sein. Die klare Empfehlung lautet: Sofort auflegen und selbstständig bei der örtlichen Polizei anrufen. Niemals Adresse oder persönliche Daten preisgeben.
Allein im vergangenen Jahr erbeuteten Betrüger in Niederbayern rund 1,5 Millionen Euro.
Damit sich die wichtigste Botschaft einprägt, griff Bauer zum Akkordeon. Mit seinem eingängigen Lied „Eihenga“ brachte er den gesamten Saal zum Schunkeln, immer wieder hallte der Refrain „Eihenga!“ durch den Raum. Die Kernbotschaft: Bei verdächtigen Anrufen einfach auflegen.
Auch Haustürbetrüger wurden thematisiert. In einer gespielten Szene lockte ein angeblicher Lottogewinn ins Haus, ein trügerisches Versprechen. Ebenso warnte die Polizei vor falschen Handwerkern oder Wunderheilern. Die Täter seien blitzschnell, ein echter Betrüger immer „einen Schritt voraus“. Deshalb der dringende Rat: Keine Fremden ins Haus lassen. Es folgte das passende Lied: „I moch ned auf, i los di ned nei“.
Erschreckend professionell gehen laut Polizei auch Taschendiebe vor. In Supermärkten agieren sie häufig in Gruppen von drei oder vier Personen: Einer lenkt ab, der zweite stiehlt, der dritte beobachtet das Umfeld, der vierte bringt die Beute sofort außer Reichweite. Besonders gefährdet sind Geldbörsen oder Handys in der hinteren Hosentasche oder unbeaufsichtigte Taschen im Einkaufswagen. Sicherer seien verschlossene Innentaschen oder die vordere Hosentasche.
Ein besonders eindringlicher Moment war die Hörprobe eines echten Schockanrufs. Deutlich wurde: Die Täter wissen zu Beginn oft nichts über ihre Opfer. Erst im Gespräch entlocken sie ihnen Namen und Verwandtschaftsverhältnisse. Deshalb gilt: Ruhe bewahren und die angeblich betroffene Person direkt selbst anrufen.
Wichtig sei auch zu wissen, dass weder Polizei noch Staatsanwaltschaft am Telefon Geld fordern oder Übergaben vor Amtsgebäuden vereinbaren. Wer dennoch Opfer geworden ist, solle sich nicht schämen, sondern unbedingt Anzeige erstatten. „Die Betrüger halten zusammen, also halten wir auch zusammen“, lautete der eindringliche Appell.
Das vom Kreisseniorenrat initiierte und von der Sparkasse Niederbayern-Mitte unterstützte Präventionskabarett startete vor zwei Jahren mit fünf Auftritten im Landkreis Dingolfing-Landau. Inzwischen hat Tom Bauer das Programm rund 55-mal bayernweit präsentiert, ein Beleg für den großen Erfolg des Konzepts.
Nach der Vorstellung nutzten viele Besucher die Gelegenheit, sich von den Polizeibeamten Christian Schuster und Christian Freundorfer persönlich beraten zu lassen.
Der Abend im Postsaal zeigte eindrucksvoll: Prävention muss nicht trocken sein. Mit Humor, Musik und klaren Worten gelang es, ein ernstes Thema nachhaltig zu vermitteln, ganz nach dem Motto: „Ned mit mir!“
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